Bilder der Traumzeit

Zeitgenössische Malerei in Zentralaustralien

30. April bis 15. August 2010

Bei den Ureinwohnern Australiens haben die magisch-religiösen Vorstellungen die Kunst entscheidend geprägt. Sie war aufs engste mit kultischen Handlungen verbunden und damit eine der entscheidenden ideologischen Grundlagen des Lebens überhaupt. Mit ihr wurden sowohl wirtschaftliche Notwendigkeiten als auch soziales Verhalten, reales Wissen und phantastische Vorstellungen von Natur und Gesellschaft ausgedrückt. Die trockenen Wüstenregionen West- und Zentralaustraliens bieten seit vielen tausend Jahren ein besonderes Medium für die Kunst - den Sandboden selbst. Sandmalereien, die die Kraft der Ahnen und mythischen Helden, ihre Wanderungen und Schöpfungstaten in der Traumzeit versinnbildlichten, waren von immenser Bedeutung in den zeremoniellen Zyklen. Inhalt der Kunst waren die Mythen der Traumzeit, der Zeit der Schöpfung der Welt mit all ihren Erscheinungen, der Kreislauf von Fruchtbarkeit, Geburt und Tod.

Die Bewohner von Papunya, einer Ureinwohnersiedlung etwa 300 Kilometer westlich von Alice Springs in Zentralaustralien wie auch Ureinwohner anderer Stämme, entwickelten seit den siebziger Jahren eine neue Kunstform, die auf den Traditionen der religiösen Sandmalereien beruht. Sie malen mit Acrylfarben Muster auf Leinwand, sogenannte „dot paintings“, die ihren Ursprung in den Sandmalereien haben. In den letzten dreißig Jahren hat die Kunst der Ureinwohner national und international große Anerkennung gefunden. Sie wird nicht mehr als Relikt einer aussterbenden Kultur betrachtet, sondern als Ausdruck einer einzigartigen alten und dennoch lebendigen, flexiblen Kultur. Sie ist ein unersetzlicher Teil unseres Weltkulturerbes.

 

Wild Potatos
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